Evangelisch werden

Deutschland ist nach wie vor ein christlich geprägtes Land. Ende 2015 gehört der größte Teil der Bevölkerung – rund 60 Prozent – einer christlichen Kirche an. Allein zur Evangelischen Kirche in Deutschland zählen 22,3 Millionen Menschen.

Wofür steht die Evangelische Kirche und wie kann man ihr beitreten? Hier finden Sie alle Informationen rund um die Kirchenmitgliedschaft.

Wieso seinen Glauben verbindlich in einer Kirchengemeinde leben?

Jüngere kommen ins Nachdenken, weil sie kirchlich heiraten wollen, ein Kind erwarten oder weil sie gefragt werden, ob sie Paten werden könnten. Deshalb sind evangelische Kirchengemeinden oder Landeskirchen immer häufiger mit Ständen auf Hochzeitsmessen vertreten. Die Kirche möchte hier auf Menschen zugehen und Kontakte pflegen, aber Menschen keinesfalls überreden.

Manche Menschen denken darüber nach, ob sie Mitglied werden wollen, weil sie eine Arbeit bei der Diakonie der evangelischen Kirche antreten. Viele der rund 24.000 diakonischen Einrichtungen mit insgesamt rund 450.000 Beschäftigten laden ihre Arbeitnehmer zu Informationsveranstaltungen über die Verankerung der Diakonie im Glauben und in der Kirche ein. Kommen Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen dazu, die in der Kirche zuhause sind, entschließen sich manche zum Eintritt.

Und niemand wird in eine Glaubensprüfung geschickt oder muss sich gar für seinen früheren Austritt rechtfertigen. Denn Jesus hat sich damals über den Kranken und seine Freunde gefreut, ihnen alle Schuld vergeben und den Mann geheilt. Auch die evangelische Kirche will sich vor allem mit den Eintretenden über die Liebe Gottes freuen, die allen Menschen ohne Voraussetzung gilt. Dann will sie dabei helfen, im Glauben an Gott weitere Schritte zu gehen und lädt jeden Neuen zu den Angeboten und den Aufgaben der Kirchengemeinden ein. Wie lange und in welchen Maß jemand Hilfe in Anspruch nimmt und sich engagiert, das bestimmt nur er selbst.

Ein Kranker, der nicht gehen konnte, bat vier Freunde, ihn auf seiner Trage zu ihm zu bringen. Aber der Zugang zu Jesus war verstellt von Leuten, die ihn umlagerten und das Haus füllten, in dem er predigte. Doch die vier wussten ihrem Freund zu helfen. Sie rissen ein Loch ins flache Dach des Hauses und ließen seine Trage an Seilen herunter. So berichtet es das Markusevangelium (Markus 2, 1-12).

Wie man in die Kirche eintritt

Unkompliziert und ohne Glaubensprüfung: Es soll so einfach wie möglich sein, zu Jesus zu kommen. Wer der evangelischen Kirche beitreten möchte, kann sich in Kircheneintrittsstellen oder beim örtlichen Pfarrer informieren.

Aufnahme in die christliche Gemeinde

Die Taufe ist die festliche Aufnahme eines Menschen in die christliche Gemeinde. Im Taufgottesdienst gießt dabei die Pfarrerin oder der Pfarrer einige Tropfen Wasser über den Kopf des Täuflings. Das Ritual geht zurück auf die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer, die in der Bibel geschildert wird. Die Taufe ist ein Sakrament, das alle Christen miteinander verbindet. Sie ist im Leben eines Menschen einmalig und unwiderruflich.

Taufspruch

Zur Taufe bekommt der Täufling einen Bibelvers mit auf den Weg, der ausdrückt, was ihm seine Familie und die Gemeinde wünschen. Sie sind auf der Suche nach einem Taufspruch? Die Bibelspruch-Suche von evangelisch.de und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern hilft, in drei Schritten einen passenden Vers zu finden.

Häufige Fragen zur Taufe

Was spricht für eine Kindertaufe? Und wie alt sollte das Kind sein? Wer kommt als Taufpate in Frage? Antworten auf diese und weitere Fragen sind hier zusammengestellt.

Wer kommt als Taufpate in Frage?

Wozu sich taufen lassen?

Antwort: Mit der Taufe wird man in die Gemeinschaft der Christinnen und Christen aufgenommen. Man wird auch Mitglied der Kirche und kann kirchlich getraut werden oder Pate werden. Ansonsten steht es auch Ungetauften frei, an Gottesdiensten und am Gemeindeleben teilzunehmen. Es ist auch möglich, den Konfirmandenunterricht zu beginnen, ohne getauft zu sein. Am Ende des Konfirmandenunterrichts stehen dann die Taufe und die Konfirmation.

Was kostet eine Taufe?

Was spricht für eine Kindertaufe?

Muss man sich noch einmal taufen lassen, wenn man aus einer anderen Kirche kommt?

Antwort: Nein. Die Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland erkennen in der Regel Taufen an, wenn sie auf den Namen des dreieinigen Gottes, also des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, und mit Übergießen des Wassers erfolgt sind. Es werden alle Taufen derjenigen Kirchen anerkannt, die Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) sind. Umgekehrt ist das nicht immer der Fall. Einige Freikirchen, zum Beispiel die Baptisten, erkennen die Kindertaufe in den Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland nicht an.

Wie läuft eine Taufe ab?

Antwort: In den meisten Gemeinden wird im Sonntagsgottesdienst getauft. Viele Gemeinden bieten auch extra Taufgottesdienste oder Tauffeste an. Zu einer Taufe gehört in der Regel dazu, dass der Taufbefehl aus dem Evangelium gelesen wird (Mt 28,19). Wenn ein Kind getauft wird, werden die Eltern und die Paten gefragt, ob sie bereit sind, das Kind im christlichen Glauben zu erziehen. Dann wird das Kind getauft, der Taufspruch des Kindes wird gelesen und für das Kind wird eine Taufkerze angezündet.

Muss man getauft sein, wenn man bei einem evangelischen Arbeitgeber arbeiten will?

Antwort:

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat dazu eine Richtlinie herausgegeben. Sie regelt unter anderem:

    • Die berufliche Mitarbeit in der evangelischen Kirche und ihrer Diakonie setzt grundsätzlich die Zugehörigkeit zu einer Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland oder einer Kirche voraus, mit der die Evangelische Kirche in Deutschland in Kirchengemeinschaft verbunden ist.
    • Für Aufgaben, die nicht der Verkündigung, Seelsorge, Unterweisung oder Leitung zuzuordnen sind, kann von der ersten Regel abgewichen werden, wenn andere geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht zu gewinnen sind. In diesem Fall können auch Personen eingestellt werden, die einer anderen Mitgliedskirche der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland oder der Vereinigung Evangelischer Freikirchen angehören sollen.
    • Für den Dienst in der evangelischen Kirche und ihrer Diakonie ist ungeeignet, wer aus der evangelischen Kirche ausgetreten ist, ohne in eine andere Mitgliedskirche der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen oder der Vereinigung Evangelischer Freikirchen übergetreten zu sein. Ungeeignet kann auch sein, wer aus einer anderen Mitgliedskirche der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland oder der Vereinigung Evangelischer Freikirchen ausgetreten ist.

Dürfen Kinder überhaupt getauft werden?

Um diese Frage gab es schon während der Reformation im 16. Jahrhundert einen großen Streit. Ein Anliegen Luthers war die Mündigkeit der Gläubigen. Jeder sollte selbst darüber Bescheid wissen, was er glaubt. Luther ließ trotzdem die Kindertaufe zu, da sie für einen anderen Grundsatz sprach: Glaube und Erlösung bekommen wir allein durch die Gnade Gottes, ohne eigenes Zutun. Für Luther galt die Wirksamkeit der Taufe unabhängig vom Glauben und unabhängig von irgendeiner Vorleistung. Er sah die Sakramente als Geschenk Gottes. Viele andere waren mit dieser Entscheidung nicht einverstanden, sie sammelten sich in der Täuferbewegung. Die Täufer bestanden darauf, dass Täuflinge vor der Taufe in der Lage sein mussten, ihren Glauben zu bekennen und so bewusst eine Umkehr in ihrem Leben zu vollziehen. Deswegen bestanden sie auch auf der Wiedertaufe von Menschen, die als Kinder getauft worden waren. Aus dieser Tradition sind viele der heutigen Freikirchen entstanden, die nur Erwachsene taufen, wie zum Beispiel die Baptisten.

Bundesweit haben Sie die Möglichkeit, nach einem Telefongespräch mit einer Pfarrerin oder einem Pfarrer der EKD-weiten Wiedereintrittsstelle in die Kirche einzutreten. Rufen Sie kostenlos an unter: 0800- 813 813 8. Dort beantworten wir auch gerne alle Ihre Fragen zum Kircheneintritt. Werktags 9-17 Uhr, Mittwoch 9-12 Uhr, oder per Mail eintritt@evangelisch.de.