Wir haben uns noch nicht gesehen im neuen Jahr?

Dann wünsche ich Ihnen für 2018 viel Gesundheit und einen Schutzengel, der immer auf uns aufpasst.

Ich hatte Ihnen ja versprochen, heute über Demenz aus der Sicht der Angehörigen zu schreiben.

Im Herbst, bei einem Besuch in der alten Heimat, habe ich mich lange mit der Tochter meiner Kusine unterhalten. Es macht traurig zu hören, wie sich so etwas langsam aufbaut. Man versucht, sich zu beruhigen. (Mama hatte sicher nur einen schlechten Tag) Wenn man mit ihr über sehr teure und unnötige Gärtner – und Handwerkerrechnungen reden möchte und sie fast mit Rausschmiss droht, weil es die Kinder „nichts angeht“!

Auch einen Brief der Bank ignorierte sie einfach. Wenn also immer mehr Realität verloren geht, wer möchte da in der Haut der Kinder stecken? Der Sohn macht sich Sorgen ums Autofahren und sollte fortan nicht mehr zu Besuch kommen. Sie bestellte einen Elektriker und es brauchte nur eine Sicherung eingedreht werden. Die Kinder hatten keine Ruhe, über 100 Km entfernt zu wohnen und Mutter war nicht bereit, umzuziehen, oder sich auch nur helfen zu lassen.

Aber die Nachbarin kannte man schon aus Kindertagen, natürlich war der auch schon das eine oder andere aufgefallen und so tat man sich zusammen, telefonierte hinter Mamas Rücken miteinander, z.B., wenn Mama mal wieder telefonisch nicht erreichbar war. Die Nachbarin musste dann einen Vorwand erfinden, und rübergehen, um nachzuschauen.

Aber dann waren da wieder Tage, an denen es Mama so gut ging, dass auch der Nachbarin Zweifel kamen, ob sie vielleicht nur einsam ist (weil immer so allein), dann wäre ja mit einem Umzug und Hausverkauf schnell Abhilfe zu schaffen. Der Versuch der Kinder, mit ihr darüber zu reden, schlug völlig fehl. Vorwürfe, sich überall einzumischen, waren noch das Geringste, was die Kinder sich anhören mussten. Sie fuhren am Abend ohne Plan, wie es weitergehen könnte, nach Hause. In der kommenden Woche machte Mama plötzlich alles klar, mit Hilfe einer Bekannten: Seniorenwohnung, Maler fürs Haus usw., aber nicht bei den Kindern in der Nähe; sie wollte wohl in Bremen bleiben. Die Bekannte hatte die Kinder informiert. Natürlich gab es auch Ärger, einen amtlichen Betreuer usw.

Inzwischen ist aber alles wieder in Ordnung. Es liest sich fast wie ein Roman, ist aber tatsächlich so passiert. Und wie sieht die Nachbarin das Ganze? - Wenn ich sie über sie über die Feiertage sehe, gibt es eine Fortsetzung aus ihrer Sicht.

Jetzt wünsche ich Ihnen erst mal, dass bald Frühling wird. ( Wenn Sie das lesen, ist schließlich März)
Bis zum nächsten Mal
Ihre
Anni Schwenker