Wir packen das!

Es ist still geworden im Albert-Schweitzer-Gemeindehaus unserer Gemeinde. Keine Männerkreistreffen alle vierzehn Tage, wie seit über 45 Jahren unter dem Dach der Bethlehemkirche üblich. Egal, ob Sommer, Winter, Ferienzeit, wir hatten diesen Törn immer eingehalten. Nun befinden wir uns seit dem Herbst im „Coronaschlaf“. Das hört sich vielleicht etwas witzig an, meint aber einen schlimmen, nie vorstellbar gewesenen realen Zustand. Zugegeben, wir stehen bis auf wenige Ausnahmen alle nicht mehr im aktiven Arbeitsleben. Trotzdem, aber besonders deshalb sind unsere zwanglosen Zusammenkünfte wichtige soziale Bausteine. Diskussionen, oft mit völlig gegensätzlichen Meinungen sind ein nicht zu unterschätzendes emotionales Ventil. Es zeugt doch von einer soliden Substanz eine solche Gemeinschaft über so einen langen Zeitraum am Leben zu erhalten. Und jetzt kommt ein Virus daher und setzt allen Regeln und gewohnten Abläufen ein Ende?

Nein, nicht „ein Ende“, sondern nur ein temporären Aussetzer.

Ich bin mir sicher, dass wir nach Abklingen dieser Pandemie wieder zu altgewohnter Aktivität zurückfinden. Diskutieren, klönen, Gemeinsamkeiten herausfinden und Pläne für Aktionen schmieden wird sich bei uns kurzfristig wieder einstellen.             Wir packen das!

Unter Coronabedingungen hatten wir in kleinster Besetzung den Christbaum in der Bethlehemkirche aufgestellt. Das ist ansehnlich gelungen und hat bei den eingeschränkten Gottesdiensten von Weihnachten bis Ende Januar etwas innerliche „Wärme“ ausgestrahlt. Im Altarraum und im Außenbereich erinnerten die von Brigitte Becker und Familie erstellten Krippen an die Geburt Christi.  Seit Anfang Februar gehören auch diese Blickpunkte bis zum Ende dieses Jahres der Vergangenheit an.

Während ich diese Zeilen schreibe, wandern meine Gedanken über den sog.  Tellerrand. Gestatten Sie mir ein paar Gedanken, die sicher Thema im Männerkreis nach der Krise sein werden.

Wir sollten nicht jammern. Fast alle Bereiche sind hart, einige existenziell getroffen. Die Wirtschaft und die gesamte Gesellschaft ächzen unter den Auswirkungen der Pandemie. Die Medien texten uns mit „Corona-Denkspielen“ zu. Man mag es schon nicht mehr hören und sehen. Es stumpft ab: Wer ist schuld? Hätte man nicht schon …….! Warum haben die Politiker nicht schon vorher gewusst, was nicht gewusst werden konnte? In Talkshows werden Fachleute und Politiker generell erst gezielt provoziert, gereizt und danach ohne Scham befragt. Tappt einer in diese Falle und gibt eine nicht durchdachte spontane Antwort, wird das ausgewalzt wie ein 200gr-Steak auf Klosettdeckelgröße. Das „verkauft“ sich scheinbar gut. Alles nach dem Motto: „Wer in eine Talkshow geht muss „das“ abkönnen. Das sind doch Profis.“  Ich denke, Profis haben mit Sicherheit ein Nervenkostüm, meistens auch eine Seele. Doch ihr Handwerk sollten sie schon verstehen. Ich denke mit Ärger und Groll an die jüngst gestartete dilettantische Organisation der Impfkampagne in Niedersachsen.

Sicher ist die Einschränkung der individuellen Freizügigkeit im Rahmen dieser Pandemie unabdingbar. Aber frei nach Paracelsus: „ .. allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist“, bleibt es eine brisante Aufgabe die Diagnose und die Dosierung bei der Therapie fest zu legen. Vielfach ist diese Aufgabe undankbar. Ich erinnere mich hier an den Ausspruch meines früheren Chefs: „Erst wenn das Ei gelegt ist, gackern die Hühner!“.

Bis zum nächsten Sprachrohr und gesund bleiben!

Ihr Günter Rieken