Geistliches Wort

Alle Planungen für den Sommer und Herbst haben wir über
den Haufen geworfen. Veranstaltungen, Feste und Feiern,
Besuche haben wir wegen der anhaltenden Corona-Krise
auf unbestimmte Zeit verschoben. Nicht nur wir als Bethlehemgemeinde,
sondern alle Gemeinden, alle Vereine und
Gruppen, sogar die Familien. Das Notwendige haben wir im
allerkleinsten Rahmen gehalten, damit es überhaupt stattfi
nden konnte.
Ich wünsche mir unser vielfältiges und, ja, auch unser gemütliches
Gemeindeleben zurück: die verbindliche Begrüßung
im Gemeindehaus, die persönliche Nähe in Arbeit und
Feier, die Verabschiedung an der Kirchentür. Ich wünsche
mir unsere Abendmahlsfeier zurück und die Handaufl egung
bei der persönlichen Segnung. Ich wünsche mir, dass der
Kirchenchor wieder proben kann und dass der Posaunenchor
uns zum Singen anleitet.
Die Mahnung aus dem 4. Kapitel des Jakobusbriefs ist mir
in den Sinn gekommen, darin der sogenannte jakobäische
Vorbehalt, den man im Deutschen gern folgendermaßen
abkürzt: s.G.w. (so Gott will). Der Apostel schreibt:
3 Wohlan nun, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in
die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen
und Handel treiben und Gewinn machen –, 14 und wisst
nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Dunst
seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet.
15 Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden
wir leben und dies oder das tun.
Nicht, dass Ihr mich missversteht: Ich denke nicht, dass die
weiter anhaltende Corona-Pandemie ein Ausdruck des göttlichen
Gerichts ist oder eine Form der göttlichen Mahnung
„zu einem ruhigen und stillen Leben in aller Frömmigkeit und
Ehrbarkeit“ (1Tim 2,2). Gottes Wille erfüllt sich auch nicht,
wo Menschen krank werden, nicht im Leiden und nicht im
Sterben. Der Herr will, dass wir leben! Ich meine aber, dass
wir unseren christlichen Glauben verbinden sollen mit dem
persönlichen „Krisenmanagement“. Die Selbstverständlichkeiten
unseres gemeindlichen und gesellschaftlichen Miteinanders
sind mittlerweile zerbrochen, eine unbedachte Gemeinschaft
ist mit Vorsicht zu genießen. Dieses kostbare,
vergängliche Leben sollten wir nicht aufs Spiel setzen. In
unserer Bethlehemgemeinde sind wir zwar zurückgekehrt
zu den Zusammenkünften in den überschaubaren Gruppen
und Kreisen, selbstverständlich unter Wahrung der Hygiene-
und Abstandsregeln, die langfristige Planung jedoch,
was du in einem Jahr tun wirst, ist zurückgetreten hinter
das, was du jetzt tun kannst, du persönlich, in sorgsamem
Umgang mit Freunden und Fremden. Alles andere, ein Leben
nach Corona, kommt später, „so der Herr will und wir
leben“ -, und er will!
So wünsche ich Euch und all Euern Lieben Geduld und
Spontaneität. Warten wir einfach ab – und gestalten zugleich
das Leben jetzt und schöpfen aus, was möglich ist.
Ich verbinde meine Wünsche mit dem vertrauten Spiritual,
das auch im Evangelischen Gesangbuch steht und das wir
gern im Gottesdienst singen: We shall overcome some day.
Oh, deep in my heart I do believe, we shall overcome some
day.
Freundlich grüßt Sie und Euch